Baby und Kleinkind

Die „Entthronung“: Jemand Neues kommt in die Familie

Mädchen-küsst-Babybauch

Ein Baby und ein Kleinkind parallel zu erziehen und beiden die nötige Liebe und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, ist eine große Herausforderung für die Eltern. Denn bei einem nur geringen Altersunterschied ist die Konkurrenz zwischen dem Baby und dem Kleinkind oft groß: Psychologen sprechen von sehr intensiven, aber ambivalenten Beziehungen.1 Je jünger das Kleinkind ist desto schwerer kommt es zunächst mit dem Baby klar. Als guter Zeitpunkt für ein Geschwisterchen gilt ein Alter des ersten Kindes von drei Jahren. Dann sind Kleinkinder für die ersten Schritte ohne hundertprozentige emotionale Mutterbindung bereit. Allerdings heißt das nicht, dass Eifersucht und Neid dann kein Thema beim „entthronten“ Erstgeborenen sind. Eine gute Vorbereitung auf das Baby hilft dem Kleinkind, die Veränderungen anzunehmen und sich darauf einzustellen.

Geschwister-Gewöhnung ab der ersten Sekunde

Das Kleinkind können Eltern schon an das neue Baby gewöhnen, wenn es noch gar nicht da ist. Schön ist es beispielsweise, mit dem Nachwuchs ausgiebig zu kuscheln und dabei zu erklären, was in Mamas Bauch passiert. Am Babybauch zu horchen, ihn anzufassen und die kleinen Tritte des Babys zu spüren ist toll für jedes Kleinkind. Auch Babybilder vom künftigen großen Geschwisterkind und Bilderbücher sind toll! Natürlich verläuft nicht jede Schwangerschaft komplikationslos. Gibt es gesundheitliche Probleme, sollten Kleinkinder davon lieber nichts mitbekommen. Denn für die Kleinen ist dann klar: Das Baby hat Schuld, wenn es Mama nicht gut geht.

Ist das Baby dann endlich da, steht zumeist der erste Besuch des großen Geschwisterchens in der Klinik an. Mütter sollten es dann nicht mir dem Neugeborenen auf dem Arm empfangen, sondern beide Hände frei haben für eine liebvolle Umarmung ihres „Großen“. Wenn das Kleinkind das Baby anfassen möchte, sollte es das auch dürfen. Diese erste Form von Verantwortung macht es sehr stolz! Schön ist es zudem, wenn nicht nur das Baby mit Geschenken überhäuft wird, sondern auch das Kleinkind zur Geburt des Geschwisterkindes einen Herzenswunsch erfüllt bekommt.

Viele Kleinkinder drücken ihre Eifersucht auf den Säugling versteckt aus: etwa, indem sie plötzlich dasselbe Verhalten an den Tag legen, wie der Neuankömmling. Sie wollen damit ebenso die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wie es das Baby tut. Geduld ist hier das beste Mittel, denn irgendwann gibt sich das wieder von selbst. Kinder hören gern Geschichten aus ihrer eigenen Babyzeit – sie verstehen dann auch viele Dinge besser, die um sie herum geschehen und gewöhnen sich dann unter Umständen auch besser an all das Neue in ihrem Leben.

Genügend Zeit für das Kleinkind

Auch wenn das Baby viel Zeit, Nerven und Geduld beansprucht: Das Geschwisterkind braucht diese Zuwendung und Liebe ebenfalls! Eine ausgiebige Schmusestunde oder ein gemeinsames Spiel sind wichtig! Ganz egal, ob Mama oder Papa Zeit mit dem Kleinkind in Haus, Wohnung oder auf dem Spielplatz verbringen – Hauptsache, kein Babygeschrei stört die gemeinsame Spiel- oder Schmusestunde. Bekommen die Kleinkinder auf diese Weise ihre Wünsche erfüllt, verstehen sie besser, dass auch das Baby die Eltern ganz für sich braucht. Große Geschwister lernen jetzt, sich auch mal alleine zu beschäftigen – Rücksichtnahme und Verzicht sind Kompetenzen, die gerade im Kindergartenalter wichtige Grundlagen für ein soziales Miteinander sind.

Erziehung von Kleinkind und Baby

Babys lieben ihre großen Geschwister – egal wie alt sie sind, egal ob Junge oder Mädchen. Genau das sollten Eltern Kleinkindern immer wieder sagen. Mit Sätzen wie: „Schau mal, wie verliebt Dich Dein Bruder anschaut“ oder „Guck, wie schön er Dein Bild findet!“ Ein wenig Zurückhaltung seitens des großen Geschwisterkindes ist normal, nach und nach sollte es aber ruhig ermutigt werden, mit dem Baby zu spielen.2 Zeigt das Kleinkind Interesse, dann darf es auch mal richtige „Großer Bruder“- oder „Große Schwester-Aufgaben“ übernehmen und etwa einen frischen Strampler raussuchen oder den Windeleimer zur Mülltonne bringen. Höhepunkt des „Geschwister 1x1“ dürfte sein, wenn das Kleinkind das Baby ganz alleine im Kinderwagen durch die Straßen schieben darf.