Geschwister und Baby

Ein Baby kommt: Wenn Einzelkinder Geschwister werden

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Große Geschwister sind oft eine wertvolle Hilfe bei der Erziehung eines kleinen Babys. Ihre Anwesenheit prägt nicht nur Wesen und Entwicklung von kleineren Geschwistern, sie helfen auch den Eltern bei der manchmal nicht ganz so einfachen Alltagsbewältigung: Etwa, wenn die großen Geschwister lustige Grimassen schneiden und die Babys minutenlang verzückt und gut gelaunt zusehen. Oder die Geschwister gemeinsam ein Buch anschauen oder „Hoppe, hoppe Reiter“ spielen. Dies ist auch Zeit für die gestressten Eltern, einfach einmal durchatmen zu können. Allerdings sollten sie nicht blind die Anwesenheit des Erst- oder Zweitgeborenen nutzen: Die Großen dürfen sich nicht „benutzt“ fühlen und nicht innerhalb kürzester Zeit zu kleinen „Erwachsenen“ mutieren.

Neuankömmling Baby: Wie stelle ich die Geschwister darauf ein?

Erwartet die Familie Zuwachs, muss das bei den künftigen Geschwistern nicht unbedingt Vorfreude auf das Baby auslösen. Immerhin: Einzelkinder – bis dato die kleinen Könige bzw. Prinzessinnen der Familie – werden dann gnadenlos entthront. Ist der Abstand zum Baby nur gering, müssen Eltern sehr feinfühlig mit den sich ankündigenden neuen Umständen umgehen: Änderungen im Kinderzimmer sollten beispielsweise schon lange vor der offiziellen Verkündung der Neuigkeit vorgenommen werden. Ältere Geschwister können schon sehr bald in die Vorbereitungen für das Baby mit einbezogen werden. Wenn die Großen beispielsweise die Erstlingsausstattung mit auswählen dürfen oder mitbestimmen, wo das künftige Babybettchen stehen soll, entwickelt sich schon frühzeitig ein Verantwortungsgefühl für das neue Familienmitglied. Eifersucht oder Neid sind tödlich für eine positive Geschwisterbeziehung. Deshalb ist es wichtig, dem bzw. den Erstgeborenen auch nach der Ankunft des Babys viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Bruder und Schwester – Vom Spielkameraden bis zum Mit-Erzieher

Kinder, die Verantwortung für jüngere Geschwister übernehmen dürfen, sind in den meisten Fällen sehr stolz darauf und nicht selten ist ein gutes Selbstbewusstsein Folge der neuen Aufgabe. Damit dabei auch alles gut geht, sollten Eltern ihren Kindern immer vorleben, wie sie sich den Umgang der Geschwister mit dem kleinen Baby vorstellen. Denn die Großen interagieren mit den Kleinen genau so, wie Mama und Papa es tagtäglich tun; sie sind ein Spiegel des Familienalltags. Es ist deshalb für Eltern immer hilfreich, sich einmal selbst zuzuhören und zu resümieren: Wie spreche ich im Alltag mit meinem Mann? Wie reagiere ich in Stresssituationen? Welcher Tonfall regiert bei Ärger? Ist ein Baby in der Familie angekommen, dürfen die älteren Geschwister ruhig auch mal zeigen, dass sie die Großen sind. Aufgabe der Erwachsenen ist es dabei, diesen Wunsch in die richtigen Bahnen zu lenken. Als perfekt für das Familienleben gilt ein Altersabstand von rund drei Jahren. Die Älteren sind dann prima Vorbilder und genießen dabei die Liebe und Spielfreude der Jüngeren.1

Verantwortung für das Baby an Geschwister abgeben? – Ja, aber in Maßen

Das richtige Alter, ab dem ältere Geschwister auf ein Baby aufpassen können, gibt es nicht, denn jedes Kind entwickelt sich individuell. Eltern sollten ihre Sprösslinge genau beobachten, das Verhältnis zueinander abschätzen und dann entscheiden, ob die Geschwister bereit sind, Verantwortung für das Baby zu übernehmen. Möglicherweise sind die Geschwister phasenweise zu sehr mit sich selbst beschäftigt, haben Sorgen oder Probleme in Schule und Kindergarten – dann sollten Eltern sie nicht zusätzlich mit der Erziehungs-Hilfe eines kleinen Babys „belasten“.

Geschwister helfen dem Baby sicherlich gerne

Weitere wichtige Faustregel: Geschwister sollten sich immer freiwillig und gerne um das Baby kümmern. Das Verantwortungsgefühl muss von selbst kommen. Das tut es allerdings nur, wenn Eltern ihre Erstgeborenen langsam und mit Feingefühl an ihre neue Rolle heranführen, ohne es zum Zusammensein mit dem Baby zu zwingen. Ein wunderschönes und wertvolles Ergebnis dieser Geduldsarbeit ist es dann, wenn das große Geschwisterkind dem Baby eines Tages spontan Hilfe und Unterstützung anbietet, es nach dem Hinfallen tröstet oder ihm hilft, den Löffel richtig zum Mund zu führen. Im besten Fall wünscht sich das ältere Kind irgendwann von selbst, einmal ganz allein auf das jüngere aufpassen zu dürfen. Ihm die Hauptverantwortung zu übertragen, ist allerdings in jedem Fall zu viel – auch wenn das Kind das einfordert. Auch regelmäßige und feste Aufpass-Zeiten sind keine gute Idee. Hausaufgaben und der tägliche Lernstoff belasten gerade Schulkinder enorm. Eine weitere Aufgabe rund um die Erziehung des Babys wäre eindeutig zu viel – und würde die Geschwister im schlimmsten Fall sogar entzweien.