integrative Kindergarten

Der integrative Kindergarten

Kind_Down_Syndrom

In einem integrativen Kindergarten leben und lernen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam. Dieses schrankenlose und gleichberechtigte Nebeneinander bildet bei den Kindern schon früh ein Verständnis dafür heraus, dass nicht alle Menschen gleich sind und jeder Mensch – welche Einschränkungen auch immer er hat – willkommen in der Gesellschaft ist. „Es ist normal, verschieden zu sein“ lautet ein gern verwendetes Motte integrativer Kindergärten.1 Herausragende Besonderheit solcher Einrichtungen: In vielen Fällen können Kinder mit einem Handicap direkt während der Betreuungszeiten ihre jeweils notwendige Therapie durchführen. Dazu kommen die entsprechenden Experten in den integrativen Kindergarten und entlasten somit den Feierabend von Eltern, die ein Kind mit Behinderung haben. Pädagogen in den integrativen Kindergärten verfügen außerdem  in vielen Fällen über eine Zusatzausbildung beispielsweise als Heiltherapeuten.

Pädagogisches Konzept des integrativen Kindergartens

Miteinander, um  voneinander zu lernen, lautet der integrative Ansatz des pädagogischen Konzepts eines integrativen Kindergartens. Hauptziel ist es dabei, alle Kinder zu selbstständigen und eigenverantwortlichen Menschen zu erziehen. Förderung und Forderung der Kinder – egal welcher Religion sie angehören, welcher sozialen Herkunft sie entstammen und welche körperlichen oder geistigen Einschränkungen sie haben – finden in allen Bereichen statt. Von der musischen Erziehung, über die mathematische, naturwissenschaftliche bis hin zur Sprachentwicklung und zu Bewegungsübungen. Neben diesen allgemeinen Übungen spielen in integrativen Kindergarten aber auch ganz einfache, lebenspraktische Übungen eine wichtige Rolle. Grundlage aller pädagogischen und erzieherischen Arbeit sind im integrativen Kindergarten die entsprechenden Bildungspläne der einzelnen Länder.2

Akzeptanz, Toleranz und Rücksichtnahme: Wertevermittlung im integrativen Kindergarten

Dank des gleichberechtigten, engen und intensiven Miteinanders völlig unterschiedlicher Kinder, wird die Wertevermittlung im integrativen Kindergarten auf eine neue Stufe gehoben. Hier werden die Kinder ganz automatisch zu toleranten und rücksichtsvollen Menschen erzogen, die andere Menschen mit all ihren Fehlern, Stärken und Schwächen vorbehaltlos akzeptieren und stets hilfsbereit ihre Dienste anbieten. Kinder mit Handicap lernen hier in besonderem Maße, selbstsicher zu sein und ein hohes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Gefühle zeigen und werten zu können, ist eine besondere Fähigkeit, die Kinder in einem integrativen Kindergarten ebenfalls erlernen.

Miteinander und voneinander: Bildung und Erziehung im integrativen Kindergarten

Bildung und Erziehung im integrativen Kindergarten haben das Ziel, Kinder mit allen Fähigkeiten und Fertigkeiten auszustatten, die für ein selbstbestimmtes Leben notwendig sind. Dazu werden Inhalte nicht losgelöst vom realen Leben betrachtet, sondern stets in den Alltag der Kinder eingebettet. Soziale, motorische und emotionale Lerninhalte greifen ineinander und sind jeweils voneinander abhängig. Ganzheitliches Lernen lautet das Motto in einem integrativen Kindergarten – miteinander und vor allem voneinander. Erzieher und Heilpädagogen legen dabei besonderes Augenmerk auf die individuelle Begleitung jedes einzelnen Kindes und passen Lernschritte entsprechend an. Beobachtungen und Analysen sind der Stoff für die Entwicklung einzelner Fördermaßnahmen, die gemeinsam mit dem Kita-Team und den Eltern umgesetzt werden.3

Perfekt nicht nur für Kinder mit Handicap

Eltern, die ein behindertes Kind haben, finden im integrativen Kindergarten die bestmögliche Betreuung für ihren Nachwuchs. Zum einen durch geschultes Fachpersonal, zum anderen aber auch durch die Besonderheit der Integration. Kinder mit Handicap wollen normal behandelt werden – ein Wunsch, der im integrativen Kindergarten erfüllt wird. Die Kleinen werden hier auf ein selbstständiges Leben vorbereitet und erhalten dafür das nötige Rüstzeug. Gesunde Kinder werden hier zu offenen Menschen gebildet, die keine Scheu haben, auf andere Menschen zuzugehen und vor allem Krankheiten und Behinderungen als normalen Bestandteil des Lebens ansehen. Eltern, die diese Eigenschaft als wichtig anerkennen, sollten ihren Nachwuchs in einem integrativen Kindergarten betreuen lassen. Sie sollten dann aber auch akzeptieren können, wenn Sohnemann oder Tochter bald einen neuen besten Freund haben, der im Rollstuhl sitzt.