Sprachentwicklung Kleinkind

Komplex und vielschichtig: Die Sprachentwicklung des Kindes

Sprachentwicklung

Bei Babys verläuft die Sprachentwicklung ganz von alleine. Linguisten nennen diese Tatsache auch „ungesteuerter“ oder „natürlicher“ Spracherwerb. Der Prozess der Sprachentwicklung beginnt in den ersten Lebensmonaten, in denen jeder Säugling nach und nach die Sprach- und Satzmelodie der künftigen Muttersprache kennenlernt.

Gleichzeitig werden die Muskelbewegungen des Mundes, der Zunge und der Lippen so lange trainiert, bis sie die ersten Laute mit Bedeutung von sich geben können. Nach dieser Phase der spielerischen Erprobung der eigenen Stimme ist der kleine Erdenbürger soweit, dass er das, was er sieht, auch konkret benennen kann.

Und schlussendlich schaffen es die kleinen Ohren und das hochentwickelte Gehirn gemeinsam, aus dem tagtäglich Gehörten die Regeln der Muttersprache zu erfassen und selbst anzuwenden. Selbstständig und unbewusst, fast von alleine.1

Vom Neugeborenen zum Kleinkind: Die Sprachentwicklung in Einzelschritten

Linguisten haben die Sprachentwicklung in bestimmte Phasen eingeteilt. Demnach verläuft eine gesunde Sprachentwicklung in fünf Schritten:2

Bis zu einem Alter von zwei Monaten

  • stoßen Säuglinge geräuschvoll Luft aus und schmatzen häufig.
  • Sie bilden gurrende Kehllaute.

Ab dem zweiten bis zum sechsten Monat

  • spielen Säuglinge bewusst mit ihrer Stimme und bilden erste Silben.
  • Sie können lachen.

Während der Sprachentwicklung zwischen dem sechsten und 12. Monat

  • werden einzelne Silben zu langen Silbenketten geformt, die ab dem achten Lebensmonat vom bewussten Zeigen auf bestimmte Gegenstände begleitet werden.

Ab einem bis anderthalb Jahren

  • versteht das Kind einzelne Worte und kann die ersten Wörter selbst sprechen.
  • Mit einfachen Einwortsätzen zeigen die Kleinen nun ständig Neues und stellen Fragen.

Bei der weiteren Sprachentwicklung bis zu einem Alter von zwei Jahren

  • umfasst der gesprochene Wortschatz ca. 50 Wörter - darunter auch Begriffe in sogenannter „Babysprache“ wie „Wau-wau“ oder „Nu-nu“ (Schnuller).
  • In dieser Phase der Sprachentwicklung lernen die Kleinen sehr schnell neue Wörter und wenden sie in Zwei- und Dreiwortsätzen an.

Fordern und Fördern der Sprachentwicklung

Für eine gesunde und schnelle Sprachentwicklung ist eine harmonische Eltern-Kind-Beziehung wichtig, in der die Kleinen sich ihren interessieren „Redepartnern“ so oft sie wollen mitteilen können. Nur so sind sie motiviert genug, ihre Sprachentwicklung weiter voran zu treiben.

Auch Bewegung ist wichtig: nicht nur für die Entwicklung der Grobmotorik, sondern auch für die Feinmotorik, in die auch die Sprechbewegungen fallen. Ziel muss es sein, dass die Kleinen diese automatisch und ohne nachzudenken ausführen können.

Neben diesen psycho-sozialen Randbedingungen können Eltern auch die physiologischen Grundlagen des Spracherwerbs trainieren: mit kleinen Hörspielen etwa oder mit musikalischen Experimenten auf selbst gebastelten Instrumenten.

Das Sehen unterstützt die Sprachentwicklung, indem es den Gegenstand, den das Kind sieht, mit einem dazu gehörten Begriff verbindet. Ein Vorgang, der gut mit Hilfe von Bilderbüchern – sogenannten Wimmelbildern – trainiert werden. 3

Nicht unbedingt ein Kinderspiel: Fremdsprache und Sprachentwicklung

Das Erlernen einer Fremdsprache im frühen Kindesalter hat nicht nur Vorteile für die Sprachentwicklung. Einerseits sollen Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren besonders leicht eine andere Sprache erlernen. Andererseits gibt es dafür keine Garantie.4

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, das heißt, die Kinder müssen sich in ihrer Lernumgebung wohl fühlen. Sie dürfen keinen Druck spüren, sondern müssen liebevoll an die neue Sprache heran geführt werden. Spiel und Bewegung dürfen nicht zu kurz kommen, ebenso wie Erfolge und Lob.5